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AKTUELLE MELDUNGEN2026-10-11 00:30 Humanisten nennen sie sichDie Steinmeierkraten und ihr VolkDreißig Berufspolitiker demonstrieren gegen ein Wahlergebnis – und erklären die Mehrheit kurzerhand für unzuständigAlexander Wendt
Demokratie heißt: Wer die Mehrheit hat, regiert. Klingt harmlos, ist aber offenbar Vulgärdemokratie. Wer das anders sieht, heißt Steinmeierkrat und schickt dreißig Abgeordnete los, damit sie gegen den Wählerwillen protestieren. Der Publizist Alexander Wendt legt den Finger in die Wunde: Die Parteispitzen begreifen den Wähler nicht mehr als Chef, sondern als Schüler – und sich selbst als Lehrer, der Noten verteilt.Seit der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Jubiläumsfeier des Bundesverfassungsgerichts, in der er die „Vulgärdemokraten“ verdammte, rätseln viele: Was muss man sich unter einem Vulgärdemokraten vorstellen? Nach seinen Worten jemand, der „sich auf Mehrheiten beruft“. Liegt genau darin nicht ein Kerngedanke der Demokratie? Die noch interessantere Frage lautet: Wie sieht eigentlich das Gegenteil der steinmeierschen Vulgärdemokratie aus? Das beantworteten am vergangenen Dienstag dreissig Bundestagsabgeordnete der SPD, als sie vom Parlament zum Bebelplatz in Berlin zogen, um gegen die Wahl eines AfD-Vertreters zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt zu protestieren, insbesondere dagegen, dass der Kandidat vier Stimmen mehr erhielt, als AfD und BSW gemeinsam aufbringen. Das sei ein „Dammbruch“, so Verteidigungsminister Boris Pistorius, der den Marsch anführte; diejenigen, die dem AfD-Mann mutmasslich aus der CDU-Fraktion ihre Stimmen gaben, hätten sich, so der Regierungspolitiker, „an der Demokratie vergangen“. Manöver funktioniert nicht mehr Dass das Parlament einen Abgeordneten aus der stärksten Fraktion zum Präsidenten wählt, galt in der alten Bundesrepublik als normale demokratische Übung. In der Ära, die Politiker wie Steinmeier und Pistorius besitzanzeigend «unsere Demokratie» nennen, gilt dies nicht mehr. In Thüringen änderten die Parteien der „demokratischen Mitte“ noch vor der konstituierenden Sitzung schnell die Geschäftsordnung des Parlaments, um einen AfD-Landtagspräsidenten zu verhindern, der nach den Kräfteverhältnissen der Partei dieser eigentlich zugestanden hätte. In Sachsen-Anhalt funktionierte dieses Manöver nun nicht mehr, da das BSW sich nicht an das Brandmauer-Dogma hält. Mit anderen Worten: Das Bundesland kehrte zum alten, vulgärdemokratischen Usus zurück. „Vulgär“ leitet sich von dem lateinischen vulgaris ab, also „allgemein, üblich, altbekannt“. So viel zu dem Gegenstand des SPD-Protestes. Interessanter in politisch-stilistischer Hinsicht erscheint die Kundgebung der SPD-Funktionäre selbst. Was die Abgeordneten in Berlin veranstalteten, gab es in der Bundesrepublik seit 1949 nie: eine Demonstration, an der ausschliesslich Berufspolitiker teilnahmen. Nach eigenen Angaben brachen sie wegen der Schreckensnachricht aus Sachsen-Anhalt spontan dazu auf; spontan führten sie vorgedruckte Parolenschilder und eine blaue Wasserkiste mit, auf die sich Pistorius später stellte. Ganz spontan fand sich auch ein Kamerateam des ARD-Hauptstadtstudios ein. Parteifunktionäre spielen also nicht nur Demos, sie ersetzen das Volk praktischerweise. Demonstrationen dienen gemeinhin denjenigen als Mittel, um Aufmerksamkeit zu erhalten, die nicht über einen ständigen Zugang zu Kameras und Podien verfügen. Demonstrierende Spitzenpolitiker stellen das Demokratieprinzip auf den Kopf, noch dazu, wenn sie gegen das Ergebnis einer Volkswahl protestieren. Denn die machte nun einmal die AfD in Sachsen-Anhalt zur mit Abstand stärksten Kraft. Genau das bedeutet offenbar nichtvulgäre Demokratie: Sie steht kopf. Ihre Spitzenpolitiker verstehen sich nicht als Ausführende des mehrheitlichen Volkswillens, sondern als Auftraggeber, die dem Volk (und den eigenen Abgeordneten) Weisungen und moralische Lehren erteilen. Bertolt Brecht fragte noch: „Wäre es nicht besser, die Regierung löste das Volk auf und wählte sich ein neues?“ Die antivulgären Funktionäre des Parteienstaats sind schon weiter. Ihr Credo lautet: Wir treten an die Stelle des vulgären Volks. Denn das neigt zu völlig unberechenbaren Entscheidungen. Zeiten der Steinmeierkratie Wie sich SPD und Grüne die wahre Demokratie vorstellen, zeigte sich schon nach der Nichtwahl der linken Verfassungsgerichts-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf: Die Politiker reagierten mit heller Wut, die SPD drohte mit Koalitionsbruch. Ihr Kampfschrei lautete: Aber das war doch anders abgesprochen! Dass Abgeordnete frei und ohne Weisung entscheiden, steht zwar in einem vulgären Buch namens Grundgesetz, Artikel 38. Aber Schnickschnack dieser Art passt nicht mehr in die Zeiten der Steinmeierkratie. Hier haben Abgeordnete so abzustimmen, wie es der Führungszirkel vorgibt, die Unionsparteien haben ausschliesslich mit linken Parteien zu koalieren, und wenn sie dabei untergehen. Wähler haben gefälligst so zu votieren, dass der linke Parteienblock seine dominante Stellung behält. Halten sie sich nicht daran, bleiben die Steinmeierkraten nicht untätig: Dieser Tage fordern sie wieder besonders laut, ein Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten, die mittlerweile im Bund in Umfragen so stark ist wie Union und SPD zusammen. [Kleinere redaktionelle Korrekturen. Red.] Mit freundlicher Genehmigung von Alexander Wendt übernommen aus DIE WELTWOCHE. Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-10-10 14:00 Humanismus und westliche ZivilisationDie Verteidigung der westlichen ZivilisationUS-Außenminister Marco Rubio ruft den Westen auf, zu den Werten von Heroismus, Ehre und nationaler Pflicht zurückzukehren – und warnt vor Verkümmerung und NiedergangMarco Rubio
Am 7. Oktober 2026 hielt US-Außenminister Marco Rubio auf dem historischen Pnyx-Hügel in Athen, mit dem Parthenon im Hintergrund, eine Grundsatzrede zur Lage der westlichen Zivilisation. Er verknüpfte antike griechische Ideale mit dem „America First“-Ansatz, kritisierte die Scham vor der eigenen Geschichte und forderte Europa auf, aus dem „langen Schlaf“ zu erwachen. Hier die Rede im deutschen Wortlaut.Überall auf der Welt gibt es große Ruinen. In vielen Fällen sind es Orte, an denen die Geschichte sich scheinbar erschöpft hat: Überreste ferner Kulturen, die längst aus dem lebendigen Gedächtnis verschwunden sind. Doch die Akropolis ist anders. Seit Jahrtausenden fesselt die Zivilisation, die das errichtet hat, was hinter mir steht, die Vorstellungskraft der westlichen Welt. Generationen unserer Staatsmänner, Künstler und Philosophen haben auf sie geblickt – mit Staunen und Ehrfurcht. Die Zeit neigt dazu, die Sinne abzustumpfen: Große Siege und katastrophale Niederlagen schrumpfen zu einer Fußnote in einem Lehrbuch, zu einer weiteren Tatsache, die unsere Schulkinder auswendig lernen und wieder vergessen. Doch die Griechen der Antike scheinen eine fast mystische Macht über unser Gedächtnis zu haben. Sie rufen uns immer wieder zu sich zurück. Im Jahr 480 vor Christus erreichten die Heere des Xerxes diese Stadt und steckten ihre Heiligtümer in Brand. Die meisten Athener waren bereits mit Schiffen auf eine nahegelegene Insel evakuiert worden. Doch eine Handvoll von ihnen weigerte sich, ihre Heimat zu verlassen. Stattdessen verschanzten sie sich in der felsigen Festung der Akropolis und leisteten einen außergewöhnlichen letzten Widerstand: Sie warfen riesige Steine die Klippen hinab auf die persischen Angreifer und hielten das mächtigste Reich jener Zeit tagelang in Schach. Schließlich wurden sie überwältigt. Die Perser plünderten die Tempel, brannten die Heiligtümer nieder und legten die Akropolis in Schutt und Asche. Doch als die Athener zurückkehrten, sammelten sie die zerbrochenen Überreste der alten Akropolis und begruben sie in dem Hügel, auf dem sie gestanden hatte. Und Jahrzehnte später errichteten sie unter Perikles den Parthenon. Seit fünfundzwanzig Jahrhunderten steht der Parthenon nun dort. Reiche sind in seinem Schatten aufgestiegen und untergegangen. Und die Nachkommen der Männer, die ihn erbauten – die Söhne Athens und Roms – haben ihre Zivilisation bis an die Enden der Erde getragen. Zweieinhalb Jahrhunderte nach der Gründung der amerikanischen Republik, auf der anderen Seite der Welt von dem Ort, an dem ich jetzt stehe, stehe ich heute hier als Außenminister dieser Republik und als Urenkel von Siedlern, die aus Spanien in die Neue Welt kamen. Ich stehe hier, um Zeugnis abzulegen von einer Schuld, die weder der Lauf der Zeit noch räumliche Entfernung jemals tilgen können. Die Geschichte Amerikas, die Geschichte meines Landes, ist von den Fingerabdrücken der Antike geprägt. Griechenland ist buchstäblich in die Architektur unserer Regierung eingemeißelt: in die hoch aufragenden Säulen, die Kuppeln und die Monumente unserer Hauptstadt. Die Stadt, in der unsere Verfassung geboren wurde – Philadelphia – trägt selbst einen griechischen Namen. Die Männer, die mein Land gründeten, waren fasziniert von dem Erbe, das wir von Ihrem Land übernommen hatten. Sie waren außergewöhnlich belesen in der Geschichte und sich ihres einzigartigen Platzes darin lebhaft bewusst. Doch kein anderes Zeitalter der Vergangenheit fesselte ihre Aufmerksamkeit und ihre Vorstellungskraft so sehr wie die Antike. Viele Menschen sind überrascht zu erfahren, dass der in den Federalist Papers am häufigsten zitierte Autor kein Philosoph der Aufklärung und kein politischer Theoretiker war. Nein – der am häufigsten zitierte Autor in den Federalist Papers war Plutarch, der griechische Biograf der großen Männer Griechenlands und Roms. Viel ist geschrieben und gesagt worden über den Einfluss des antiken Griechenlands auf die Ideen der amerikanischen Gründerväter – und übrigens auch auf alle westlichen Philosophen und Staatsmänner, die ihnen vorausgingen. Die meisten von uns kennen die grundlegenden historischen Zusammenhänge: Athen gab uns die Demokratie. Platon und Aristoteles gaben uns die westliche Philosophie. Unsere Vorstellungen von Recht, Tugend, Bürgerschaft und republikanischer Regierung wurden in den griechischen Stadtstaaten geprägt. Sogar ein großer Teil unseres politischen Vokabulars – Wörter wie Demokratie, Tyrannei und das Wort „Politik“ selbst – hat hier seinen Ursprung. All das ist wahr. Doch was wir diesem Ort als Amerikaner und als Menschen des Westens verdanken, reicht tatsächlich weit, weit tiefer. Diese Institutionen und Ideen waren der äußere Ausdruck grundlegenderer Eigenschaften, die wir bei den alten Griechen finden – Eigenschaften, die sich nicht auf ein bestimmtes politisches System oder eine bestimmte Theorie reduzieren lassen. Hier in Athen fanden wir die erste vollständige Verwirklichung all jener wesentlichen Merkmale, die den Westen später prägen sollten: ausgeprägte Individualität und unerbittlicher Ehrgeiz; kühne Erforschung und Erfindung; eine Sehnsucht nach Entdeckung, Abenteuer, Risiko und Ruhm. Eine unstillbare Neugier auf die Welt und die Prinzipien, nach denen sie funktioniert, ein Hunger danach, die Geheimnisse der Natur zu ergründen und die Geheimnisse des Kosmos zu entschlüsseln. Eine Ungeduld gegenüber dem Gedanken des Unmöglichen, das Aufbegehren gegen alle Grenzen und Beschränkungen, das Streben danach, in die Tiefen des Unbekannten vorzudringen. Dies waren nicht nur die Formeln oder Grundsätze einer bestimmten philosophischen Schule. Es waren die Eigenschaften eines Volkes – ausgedrückt in seinen Traditionen, seinen Geschichten, seiner Vorstellungskraft; in den Eigenschaften, die es von seinen Bürgern verlangte; in den Dingen, für die es lebte, kämpfte und starb. Sie zu kennen heißt, uns selbst zu kennen. Was hier an diesem Ort erblühte, war das westliche Bestreben, all das ans Licht zu bringen, was Unwissenheit, Dunkelheit und Entfernung dem menschlichen Geist verborgen gehalten hatten. Die Griechen haben nicht nur die Geschichte geprägt; die Griechen haben uns die Geschichte selbst geschenkt. Vieles von dem, was wir über zahlreiche antike Zivilisationen wissen, stammt fast ausschließlich aus den Aufzeichnungen griechischer Entdecker und Historiker, die nicht nur die Geschichte ihres eigenen Volkes festhielten, sondern hinauszogen, um die Geschichten fremder Völker und Kulturen überall auf der Welt zu beobachten und aufzuzeichnen. Während andere nach innen blickten, waren die Griechen die Ersten, die ihren Blick nach außen richteten, um den Nervenkitzel und den Ruhm zu erleben, all das zu sehen, was fremd und neu war. Es war diese Eigenschaft, die den Westen dazu antrieb, Dinge zu erschaffen und zu errichten, zu denen andere nicht fähig waren, und die uns von so vielen anderen Kulturen und Zivilisationen abhob, in denen Stabilität und bloßes Überleben die höchsten Ziele des Lebens waren. Doch wir haben von den Griechen nicht nur den Ehrgeiz geerbt, das Unbekannte zu erforschen; wir haben die Überzeugung geerbt, dass das Unbekannte erkannt werden kann. Das Vertrauen darauf, dass die Welt vermessen, kartiert, erfasst und verstanden werden kann – und dass es im Kosmos eine rationale Ordnung gibt, die von bestimmten grundlegenden Gesetzen beherrscht wird, Gesetzen, die der Mensch beobachten und der Verstand begreifen kann. Dies war das Fundament des westlichen Denkens: unserer Mathematik, unserer Wissenschaft, unserer Medizin. Unserer Philosophie, Ethik und Religion. Es ebnete den Weg dafür, dass das Evangelium Jesu Christi in Europa fruchtbaren Boden fand und zum Reich der Christenheit erblühte. Es war die Grundlage für den Reichtum der christlichen Theologie – für Augustinus und Thomas von Aquin und die gesamte Tradition des Naturrechts. Daraus entstand eine Zivilisation, die nicht nur durch eine gemeinsame Kultur geprägt war, sondern auch durch eine gemeinsame Anthropologie – eine gemeinsame Sichtweise auf den Menschen und seinen Platz im Universum. Deren Nachkommen teilten nicht nur die Vorstellung einer natürlichen Ordnung, sondern auch ein ganz eigenes Verständnis von Tugend, von Schicksal und Vorsehung, von Wahrheit, Güte und Schönheit, von einem Kodex, der vorschreibt, wie Menschen leben sollten, sowie von objektiven Maßstäben und Idealen, nach denen man streben sollte. Für die Griechen der Antike war das Streben nach Vortrefflichkeit das eigentliche Prinzip der menschlichen Existenz. Sie richteten das gesamte gesellschaftliche Leben auf Wettstreit, Ehrgeiz und Konkurrenz aus: in der Philosophie und Dichtung, in der Bildhauerei und im Theater, im Sport und in der Kunst, im Krieg und in der Staatskunst. Die klassische griechische Stadt war eine Arena, in der sich große Männer auf die Probe stellen und beweisen konnten, in der sie ihr Potenzial durch ständigen Kampf verfeinerten – um die Besten, die Stärksten, die Schönsten zu sein und sich anzustrengen, der Vollkommenheit immer näher zu kommen. Nun weiß ich, dass das, was ich gerade beschrieben habe – diese Lebensweise –, für moderne Ohren seltsam klingen mag; es mag sogar grausam klingen. Das Ideal vieler Ideologien unserer Zeit ist, offen gesagt, eine Welt vollkommener Sicherheit geworden, frei von Risiken und Misserfolgen, ohne den Ruhm des Sieges und ohne die Schande der Niederlage. Allzu oft bauen wir heutzutage nach unten. Wir gestalten unsere Maßstäbe so, dass niemand verliert; wir kümmern uns mehr um das Wohlbefinden der Schlechtesten als um das Potenzial der Besten. Wir machen die außergewöhnlichsten Dinge unter uns zu Geiseln des Durchschnittlichen, des Gewöhnlichen, des Mittelmäßigen. Die Männer, die den Parthenon erbauten, bauten nach oben. Sie waren der Ansicht, dass das höchste und edelste Streben im Leben darin bestand, alle anderen zu übertreffen, danach zu streben, in allen Dingen der Beste zu sein. Die antiken griechischen Stadtstaaten waren erfüllt von intensiver Leidenschaft, Rivalität, Fraktionskämpfen und Konflikten. Doch aus diesem ständigen Streben nach Vorrang entstand die große Blütezeit der Kunst und Philosophie sowie der politischen und intellektuellen Energie, die eine Gemeinschaft von Städten im Mittelmeerraum zum Geburtsort der größten Zivilisation der Welt machen sollte. Der „Thymos“, wie die alten Griechen es nannten – das Feuer der Leidenschaft, der Stärke, des Mutes, des Stolzes – ist das Herzstück einer großen Zivilisation. Und ohne ihn? Ohne ihn verlieren Nationen ihren Kampfeswillen, ihren Strebsamkeitswillen, ihren Überlebenswillen. Heute hat ein zu großer Teil des Westens diese Eigenschaft vergessen. Im Laufe der Zeit begannen wir im Westen, uns gerade für jene Dinge zu schämen, die uns außergewöhnlich machten. Es war uns peinlich, dass uns unsere Errungenschaften vom Rest der Welt abhoben. Unser Wohlstand wurde irgendwie zu einer Quelle von Schuldgefühlen. Wir glaubten nicht mehr daran, dass wir unsere Größe verdient und uns erarbeitet hatten. Das Wort „Nationalismus“ wurde zu einem Schimpfwort. Und so rissen wir unsere Denkmäler nieder; wir verurteilten unsere eigene Geschichte. Und an allzu vielen Orten lehrten wir unsere Kinder, sich für die Länder zu schämen, die sie einmal erben würden. Dabei öffneten wir unsere Grenzen, verlagerten unsere Industrie ins Ausland und ließen zu, dass unsere Streitkräfte verkümmerten und verfielen. Und mit jedem Jahr schienen wir immer mehr von unserer Souveränität auszulagern und unsere Entscheidungen an globale Bürokratien zu übertragen, die weit außerhalb unserer Kontrolle lagen. Doch andere waren nur allzu bereit, das Vakuum zu füllen, das wir hinterließen – das Vakuum, das unsere Schwäche hinterlassen hatte. Und während das Selbstvertrauen des Westens schwand, wurden seine Gegner und Rivalen immer selbstbewusster und bauten an unserer Stelle ihren eigenen Wohlstand und ihre eigene Macht aus. Und nun stehen wir heute an einem Scheideweg. Denn das kommende Jahrzehnt und die Entscheidungen, die wir treffen, werden die Geschichte des kommenden Jahrhunderts schreiben. Der Kurs, den wir einschlagen, wird bestimmen, ob der Westen seinen Platz an der Spitze der Welt behauptet oder sich einer Zukunft aus Verkümmerung, Knechtschaft und Niedergang ergibt. Entweder entscheiden wir uns jetzt zu handeln – oder wir verlieren überhaupt die Möglichkeit, noch handeln zu können. Unter Präsident Trump haben die Vereinigten Staaten ihre Entscheidung getroffen. Wir entscheiden uns für das unverhohlene, selbstbewusste Streben nach nationaler Macht: die Kontrolle über unsere kritischen Lieferketten zurückzugewinnen, unsere Wirtschaft zu reindustrialisieren, unsere Verteidigung wieder aufzubauen und um die Vorherrschaft bei den Technologien und Industrien der Zukunft zu kämpfen. Wir entscheiden uns dafür, nach neuen Grenzen zu greifen: in der fortgeschrittenen Fertigung und bei der Superintelligenz; bei Drohnen, Waffen und Kriegsführung; bei Chips, Rohstoffen, im Cyberbereich und in jedem anderen Bereich menschlicher Möglichkeiten. Unsere Energie zu entfesseln, unsere Fabriken wieder aufzubauen, unsere Astronauten auf den Mond zurückzubringen und ein neues Zeitalter der Erforschung des Weltraums einzuleiten. Trotz all ihrer hohen Ideale waren die alten Griechen nicht naiv. Sie verstanden, dass Nationen Interessen haben. Sie verstanden, dass Staatskunst Klugheit und Diplomatie erfordert, aber auch die Fähigkeit, Gewalt einzusetzen, wenn Klugheit und Diplomatie versagen. Sie verstanden, dass Macht nicht nur die Mittel zur Verteidigung voraussetzt, sondern auch die Glaubwürdigkeit, sie einzusetzen. Dies ist das klassische Verständnis von Politik und Staatskunst, das die Trump-Administration zurückgewinnen will – nicht nur für unser Land, sondern für unsere gesamte Zivilisation. Wir glauben, dass Europa aus seinem langen Schlaf erwachen und das Feuer neu entfachen kann, das hier vor Jahrtausenden entzündet wurde. Es gibt bereits Anzeichen dafür. Auf diesem Kontinent erleben wir, was wir hoffen, der Beginn eines Generationenwandels sein wird: steil ansteigende Verteidigungsausgaben, eine Fülle neuer Partnerschaften und Programme, ausgeweitete Industrieproduktion – im Anschluss an die historischen Verteidigungszusagen vom vergangenen Jahr in Den Haag. Griechenland steht im Zentrum dieses Wandels. Das Volk dieser Nation hat sich erneut als unverzichtbarer Freund Europas und der Vereinigten Staaten erwiesen – in allem von Energie über Migration bis zur Verteidigung, wo Griechenland ein vorbildlicher Verbündeter gewesen ist. Und es ist unsere aufrichtige Hoffnung, dass ganz Europa Ihrem Beispiel folgen wird. Auch wenn Leidenschaften die Bande der Zuneigung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zeitweise auf eine harte Probe gestellt haben mögen, darf nicht zugelassen werden, dass sie diese Bande zerreißen. Gemeinsam müssen wir ein Bündnis stärken, das in der Lage ist, den Bedrohungen unserer Zeit die Stirn zu bieten. Und das können wir. Denn wir glauben nicht, dass die transatlantische Freundschaft ein Nullsummenspiel sein sollte. Ganz im Gegenteil: Unsere Vision ist ein Bündnis, dessen Stärke größer ist als die Summe seiner Teile. Diese Vision haben wir erst letzten Monat in der Praxis erlebt, und zwar in Form eines beispiellosen neuen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten, Dänemark und Grönland& – einem Abkommen, das die Arktis neu gestalten und die Sicherheit der gesamten NATO stärken wird. Alle drei Partner dieses Abkommens gingen als Gewinner hervor. Ganz Europa – ebenso wie die NATO und die Vereinigten Staaten – ist dadurch sicherer, stärker und geschützter geworden. Wir wollen gemeinsam gewinnen. Wir müssen gemeinsam gewinnen. Heute ist es Mode geworden zu glauben, eine aufgeklärte Außenpolitik bedeute, die „globale Gemeinschaft“ über das eigene Volk zu stellen. Und ich denke, auch hier haben wir viel von den Männern des antiken Griechenlands zu lernen. Sie wussten, dass nichts Egoistisches oder Falsches an der Loyalität zur eigenen Nation liegt und nichts Egoistisches oder Falsches daran, für die Verteidigung ihrer Interessen vor allem anderen zu kämpfen. Sie glaubten – leidenschaftlich – an das Ideal des großen Mannes: den außergewöhnlichen Einzelnen, der durch seine eigenen Taten Unsterblichkeit erlangt. Doch sie glaubten, dass Ruhm und Ehre durch Streben, Opfer und große Leistungen für etwas Größeres als sich selbst errungen werden. Der wiederkehrende Held der antiken griechischen Welt war der Mann, der bereit war, jeden Preis für eine Sache zu zahlen, die seiner Loyalität würdig war. Wir sehen dies bei Sokrates, der die Suche nach der Wahrheit selbst um den Preis seines eigenen Lebens nicht aufgab. Wir sehen es in dem legendären Widerstand der 300 Spartaner – umzingelt und hoffnungslos unterlegen den gewaltigen Armeen Persiens –, die die Chance, sich zu retten, ausschlugen und lieber bis zum letzten Mann kämpften, als ihren Posten oder ihre Pflicht zu verlassen. Und wir sehen es im epischen Mythos des Achilles, dem die Wahl geboten wird, nach Hause zurückzukehren und ein langes, friedliches Leben zu führen – der aber stattdessen beschließt, vor Troja zu bleiben und im Streben nach ewigem Ruhm unterzugehen. Dies – dies sind die Qualitäten, die die westliche moralische Vorstellungskraft prägen sollten. Vom christlichen Märtyrer, der seinen Glauben nicht verriet, bis zum Patrioten, der sein Leben für sein Land gab; von Thomas More bis zur Schlacht von Alamo, durchziehend die unsterblichen Schlussworte der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, die lauten: „Wir geloben einander gegenseitig unser Leben, unser Vermögen und unsere heilige Ehre.“ Von den Griechen erbte der Westen seinen Sinn für Pflicht – eine unzerbrechliche Loyalität zu seinem Kodex, seiner Sache, seinem Land. Unsere Helden, die Helden des Westens, sind jene, die genau dann treu zu ihrer Pflicht stehen, wenn es am schwierigsten und schmerzhaftesten ist: der Mann, der an sein Wort gebunden ist, der Soldat, der seinen Posten nicht verlässt, der Kapitän, der sprichwörtliche Kapitän, der mit seinem Schiff untergeht. Dies ist gänzlich anders als das, was wir selbst heute zum Beispiel bei Fanatikern wie den radikalen Mullahs des Iran sehen, deren Todeskult Kinderselbstmordattentäter als nationale Helden preist und das Martyrium als Selbstzweck darstellt. Unsere Helden – unsere Helden mögen bereit sein, für ihre Sache zu sterben; aber unsere Helden beten den Tod nicht an. Gerade weil wir das Leben schätzen, erkennen wir den Heroismus in jenen, die es eher opfern würden, als ihre Prinzipien zu verraten. Heute nehmen wir die westliche Auffassung von diesen Dingen – Heroismus, Ehre, Pflicht – als selbstverständlich hin. Wir gehen davon aus, dass sie irgendwie universell für alle Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten gelten. Das tun sie nicht. Sie sind das Produkt eines besonderen Charakters, eines besonderen Charakters, der hier entstand und die gesamte Geschichte der Zivilisation formte, die ihm folgte. Eine Zivilisation, die wir heute mit derselben Leidenschaft verteidigen müssen, wie es unsere Vorväter taten. Die Männer, die den Parthenon erbauten, wurden von den Architekten des europäischen Christentums abgelöst, die die Kathedralen von Mailand, Köln und Florenz errichteten. Das Streben nach der Vervollkommnung der menschlichen Gestalt, das die antiken griechischen Bildhauer bewegte, fand einen neuen Ausdruck in Michelangelo. Die Suche der griechischen Philosophen nach der Struktur des Universums wurde von Kopernikus übernommen, dann von Galilei, dann von Kepler und von Newton. Der Hunger nach neuem Wissen – das ist es, was Magellans erste Expedition um die Welt hervorbrachte, Kolumbus’ Entdeckung der Amerikas und schließlich die Reise von Apollo 11 zum Mond. Und die Qualitäten, die Alexander dazu führten, die gesamte bekannte Welt zu erobern, tauchten wieder auf in Cäsar, dann in Karl dem Großen und in Cortés. Und in Amerika fand dieselbe Tradition sich aufs Neue. Ein offenes und wildes Land wurde zum Schauplatz einer großen Wiederbelebung westlicher Imagination und Ambition. Das griechische Streben nach neuen Horizonten wurde zum amerikanischen Frontier-Geist. Die Zivilisation Athens und Roms verwandelte eine junge Küstenrepublik in ein kontinentales Imperium. Die größten Amerikaner jeder Generation trugen die unverkennbaren Züge ihrer Vorväter – geboren in Athen, geformt von Rom, getauft im Christentum, gestählt im Feuer des mittelalterlichen Europas, ausgestattet mit dem englischen Genius für Freiheit und dann über den Atlantik getragen, um an den Küsten einer neuen Welt wiedergeboren zu werden. Gemeinsam müssen wir diesen Geist nun wiederentdecken. Wir stehen an einem Wendepunkt – einem Wendepunkt nicht nur in der Geschichte meiner Nation, sondern einem Wendepunkt in der gesamten Zivilisation. Die Bedrohungen, denen wir heute gegenüberstehen, sind genauso real wie auf der dramatischen Bühne der Antike. Nationale Interessen verschwanden nicht angesichts internationaler Institutionen. Der Krieg verschwand nicht einfach, weil wir den Frieden bevorzugten. Andere Staaten rüsteten weiter, suchten Einfluss, konkurrierten um Territorium und Technologie und Ressourcen und Märkte und Energie und Macht. Und nun gibt es wieder Krieg. Es gibt wieder neuen Wettbewerb zwischen Großmächten. Es gibt Verwundbarkeit, Aggression, Terrorismus, ein ganzes Universum neuer Bedrohungen und Angriffe. Und so müssen wir unsere Institutionen und unsere Bündnisse neu aufbauen, um diesen Bedrohungen gemeinsam zu begegnen – im Verständnis, dass der Zweck dieser Dinge nicht darin besteht, die Souveränität der Nationen, die sie bilden, abzuschaffen; er besteht darin, sie zu verteidigen. Und dass Nationen ihre eigenen Identitäten nicht aufgeben müssen, um ihre gemeinsamen Interessen anzuerkennen. Wir haben mit unseren Partnern hier in Griechenland ein Modell dafür geschaffen. In unseren Verteidigungspartnerschaften, in Energie und Technologie, in unserem gemeinsamen Bestreben, Europas Grenzen vor den Bedrohungen der Massenmigration zu sichern. Unsere Freundschaft reicht bis in die frühesten Jahre meiner Nation zurück. Als Griechenland 1821 aufstand, um nach Jahrhunderten osmanischer Herrschaft seine Unabhängigkeit wiederzuerlangen, erkannten Amerikaner in diesem Kampf etwas Vertrautes. Drei Jahre später hielt der große amerikanische Staatsmann Daniel Webster eine berühmte Ansprache vor dem Kongress und half damit, die Sache der griechischen Revolution vor die Vertreter der jungen amerikanischen Republik zu bringen. Und er begann damit, ihre Aufmerksamkeit auf alles um sie herum zu lenken. Das sagte er in seiner Rede: „Diese freie Regierungsform, diese Volksversammlung… diese Praxis freier Debatte und öffentlicher Erörterung, der Wettstreit von Geist mit Geist… selbst das Gebäude, in dem wir uns versammeln, diese proportionierten Säulen, diese verzierte Architektur, alles erinnert uns daran, dass Griechenland existiert hat und dass wir, wie der Rest der Menschheit, ihm in hohem Maße verpflichtet sind.“ Diese Worte sind heute ebenso wahr wie damals, als er sie sprach. Und wir alle – nicht nur Amerikaner, sondern Europäer und unsere Freunde im gesamten Westen – müssen die Lektionen neu lernen, die unsere Vorväter von diesem Ort und aus seiner Geschichte zogen. Die Geschichte Griechenlands – die Geschichte Griechenlands bietet uns nicht nur einen Blick – sie bietet keinen Blick auf unsere Institutionen in ihren frühesten Formen. Die Geschichte Griechenlands zeigt uns ein Bild von uns selbst. Sie zeigt uns, dass uns das Erbe großer Helden zuteil geworden ist und dass wir stolz sein sollten – dass wir intensiv stolz sein sollten – auf unseren Ursprung. Wir sollten staunen über das, was unsere Vorväter aus diesem Land herausmeißelten. Die Geschichte unserer Zivilisation ist die größte Geschichte, die dem Menschen je bekannt wurde. Und sie begann hier, mit den ersten Männern und Frauen des Westens. Von ihnen – von ihnen – können wir die Tugenden, den Mut und die Stärke wiederentdecken, um den Gefahren unserer Zeit entgegenzutreten. Vielen Dank! Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-10-08 15:15 Humanismus heißt, den Wähler beim Wort zu nehmenDie SPD und der Marsch gegen die WirklichkeitEin AfD-Landtagspräsident bringt die Berliner Koalition aus dem Tritt – und die SPD sucht den Schuldigen lieber in der CDU als bei sich selbstVera Lengsfeld
Die Autorin weist darauf hin, dass mindestens vier Abgeordnete in Magdeburg nur von ihrem freien Mandat Gebrauch machten, als sie einen AfD-Mann zum Landtagspräsidenten mitwählten. Vera Lengsfeld erinnert an Artikel 38 des Grundgesetzes und an die Empörung von Verteidigungsminister Pistorius – und fragt, warum die SPD den Schuldigen in der CDU sucht statt bei sich selbst.Am Dienstag, dem 6. Oktober, wurde in Magdeburg ein Landtagspräsident der AfD gewählt, mit vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen aufbringen. Sofort verfiel die woke Linke in Schnappatmung. Was hatten „unsere“ Demokraten erwartet? Dass ein Wunder geschieht, wenn man nur weiter die Augen fest vor der Realität verschließt, das Votum der Wähler nicht anerkennt und nur „Brandmauer! Brandmauer!“ schreien muss, damit alles wie gewohnt weitergeht? Dabei hat es die SPD auf die absurde Spitze getrieben. Die bei der letzten Bundestagswahl stark geschrumpfte Bundestagsfraktion entschloss sich im Anschluss an ihre Sitzung an diesem Dienstag zu einem „spontanen“ Protestmarsch vom Reichstag durch das Brandenburger Tor bis zum August-Bebel-Platz. Manche Abgeordnete trugen das Grundgesetz unter dem Arm. Anlass der Kundgebung war die Vermutung, dass vier CDU-Abgeordnete den AfD-Parlamentspräsidenten mitgewählt haben könnten. Den Grundgesetz-Trägern ist offensichtlich nicht bewußt, dass laut Art.38 Abs. 1 der Abgeordnete ein freies Mandat hat und nur seinem Gewissen verpflichtet ist. Es hilft eben nicht, das GG mit sich herumzuschleppen, man sollte ab und zu auch hineinschauen. Am Denkmal für die von den Nazis verbrannten Bücher fand Verteidigungsminister Pistorius starke Worte: „Das ist der Tag von Wut, das ist der Tag von Enttäuschung darüber, dass Demokratinnen und Demokraten offenbar nichts gelernt haben aus der Geschichte und die Geschichte sich wiederholen lassen. Wer das zugelassen hat, hat sich an der Demokratie unseres großartigen Landes vergangen….Der Tag, den wir heute erlebt haben, ist ein einzigartiger Tabubruch der parlamentarischen Demokratie, den wir in dieser Form in 90 Jahren nicht erlebt haben. Demokraten haben Faschisten als Steigbügelhalter gedient, liebe Freunde.“ Zur Erinnerung: Es geht um vier unbekannte Abgeordnete, die von ihrem freien Mandat Gebrauch gemacht und den Wählerwillen respektiert haben. Zum Schluss stimmte Pistorius die Nationalhymne an. Alle sollen mitgesungen haben, obwohl die SPD weder Schwarz-Rot-Gold, noch das Lied der Deutschen sonderlich schätzt. Mehr Heuchelei geht kaum. Es handelt sich um die Partei, die im Koalitionsvertrag für die Koalition im Bund sich verpflichtet hat, mit keiner extremistischen Partei zu koalieren. Aber in Berlin führt die SPD neben den Grünen „Vorgespräche“ mit der SED-Linken, um irgendwie mit der Partei, die offenbar so gute Kontakte ins Berliner Clan-Milieu hat, dass sich Clanchef Remmo „unterstützt“ fühlt, auf einen Nenner zu kommen. Freuen können sich alle Kriminellen über den von der Linken geplanten Kahlschlag bei der Polizei. Vor allem aber gehören Teile der Linken zum antisemitischen propalästinensischen Mileu, das seit dem 7. Oktober 2024 sich auf Berlins Straßen stimmstark und gewaltbereit breit macht. Am Jahrestag des Massakers in Israel endeten die dritten „Vorgespräche“ ergebnislos, aber man will weiter verhandeln. Linker Extremismus und Antisemitismus scheint kein Problem für die SPD zu sein, die aus der Geschichte der zweiten Diktatur in Deutschland nichts gelernt zu haben scheint. Die Öffentlichkeit soll nur nicht mitkriegen, mit wem man unbedingt ins Koalitionsbett will. Es war übrigens die SPD-geführte Ampelregierung, die ihre Außenministerin äußern ließ, sie würde den israelischen Staatschef Netanyahu als Kriegsverbrecher verhaften lassen, sollte er deutschen Boden betreten. Mehr als ihre angebliche Sorge um die Demokratie scheint die SPD anzutreiben, ihren Koalitionspartner im Bund klein zu machen. Als Kanzler Merz vor wenigen Tagen seine Regierung dazu aufrief, zusammenzustehen, um Deutschland durch Reformen wieder fit zu machen, tönte es aus der SPD, man lasse sich nicht drohen. Nun verlangt sie kategorisch einen Kniefall der CDU wegen vier vermuteter Abweichler, die es ebenso bei den Grünen, den Linken oder der SPD gegeben haben kann. Die Partei steht inzwischen im Bund bei 15%. Statt dies als Signal zu nehmen, über die Ursachen dieses Wählerverlustes nachzudenken, betreibt sie Machtspielchen. Dabei hat sie nichts mehr zu verlieren als ihre Privilegien. Während ich dies schreibe, tagt im Kanzleramt der Koalitionsausschuss, den Kanzler Merz als Krisensitzung einberufen hat, um „Vertrauen“ wieder herzustellen. Merz hat immer noch nicht begriffen, dass die SPD kein Vertrauen will, sondern seinen Sturz. [Kleinere redaktionelle Korrekturen. Red.] Mit freundlicher Genehmigung von Vera Lengsfeld übernommen aus Vera Lengsfeld. Vera Lengsfeld, Jahrgang 1952, ist Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-10-08 00:00 Humanismus und DemokratieGöring, Stalin und die nackte MachtDer Streit um den Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt verrät mehr über die etablierten Parteien als über die AfDVolker Boehme-Neßler
Demokratie lebt von zwei Regeln: Jeder streitet mit jedem, und jede Meinung gilt. In Magdeburg bricht der Landtag nun mit der Brandmauer und wählt erstmals einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten. Ein Grund zur Aufregung ist das nicht – im Gegenteil.Vorgestern [Di., 2029-10-06] haben wir den Untergang des Abendlandes erlebt. Jedenfalls dann, wenn man zahlreichen Medien und vielen Parteipolitikern glauben darf. Was ist passiert? Mit Tobias Rausch ist in Magdeburg das erste Mal ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden. Teile der Medien und Teile der Politik haben darauf – man kann es nicht anders sagen – hysterisch reagiert. Es war die Rede davon, dass erstmals seit Hermann Göring ein Rechtsextremist zum Präsidenten eines deutschen Parlaments gewählt worden sei. Die Abgeordneten, die Tobias Rausch gewählt haben, hätten sich zu „Steigbügelhaltern des Faschismus“ gemacht. Die SPD-Bundestagsfraktion hat in Berlin einen Protestmarsch veranstaltet. Sie spüre die Pflicht, Flagge zu zeigen, sagte ihr Fraktionschef Miersch. Boris Pistorius hat eine Wutrede gehalten. Natürlich musste er von Faschisten und ihren Steigbügelhaltern sprechen. Wahl in Magdeburg Auch im Parlament in Magdeburg war die Hölle los. Schon vor einigen Tagen hatte die Grünen-Fraktionschefin in Magdeburg an Hermann Göring erinnert. Sollten die Abgeordneten Rausch in das Amt wählen, gäbe es „erstmals seit Hermann Göring einen rechtsextremen Landtagspräsidenten“. In ihrer Eröffnungsrede sprach die Alterspräsidentin Eva von Angern dann nicht nur von Hape Kerkeling, sondern auch von Clara Zetkin. Die überzeugte Kommunistin und Stalinistin eröffnete 1932 den neu gewählten Reichstag als Alterspräsidentin. Ihre Eröffnungsrede schloss sie damals mit der Hoffnung, sie werde auch noch „das Glück […] erleben, als Alterspräsidentin den ersten Rätekongreß Sowjetdeutschlands zu eröffnen.“ Unsägliche Nazi-Vergleiche und eine Stalinistin als historisches Vorbild – das sind Magdeburger Abgründe, die sich hier auftun. Aber darf man diesen Reden glauben? Natürlich nicht. Es geht hier nicht um den Kampf gegen den Faschismus, der immer wieder beschworen wird. Das ist natürlich Unsinn. Die AfD ist keine faschistische Partei. Das immer wieder zu behaupten, zeugt von Dummheit, von historischer Unkenntnis und von bösartiger Perfidie. Und die Zeiten, in denen wir leben, lassen sich noch nicht ansatzweise mit Weimar vergleichen. Allen hehren Worten zum Trotz: Es geht um die nackte Macht. Ein guter Tag für die Demokratie Gestern war ein guter Tag für die Demokratie. In Magdeburg ist wieder ein Stück Normalität in den parlamentarischen Alltag eingezogen. Über viele Jahrzehnte war es in den Parlamenten der Bundesrepublik üblich, dass die stärkste Fraktion den Parlamentspräsidenten stellt. Mit guten Gründen hatte man das für eine faire parlamentarische Praxis gehalten. Und natürlich spricht vieles dafür, der stärksten Fraktion das Amt des Präsidenten zuzusprechen. Auch im Parlament und den damit verbundenen Ämtern muss sich die Wahlentscheidung der Bürger widerspiegeln. Mit dieser Praxis haben die etablierten Parteien gebrochen, als die AfD so stark wurde, dass ihr ein Recht auf das Amt eines Landtagspräsidenten zugestanden hätte. Demokratie in Gefahr: Die Regierung demonstriert das Volk nieder Aus machtpolitischer Perspektive muss man das Amt des Landtagspräsidenten nicht überschätzen. Seine Macht ist begrenzt. Er repräsentiert den Landtag nach außen, und er organisiert den Ablauf der Parlamentsdebatte im Inneren des Parlaments. Das sind seine wichtigsten Aufgaben. Echte Macht ist damit nicht verbunden. Aber er ist natürlich ein Symbol. Er symbolisiert die Einigkeit eines Parlaments, das sich – trotz aller großen politischen Unterschiede – auf faire Umgangsregeln einigen kann. Auch wenn sie aus verschiedenen Richtungen kommen, haben Parlamentarier doch eines gemeinsam: Sie sind von den Bürgern gewählt, um politische Lösungen im Interesse des Landes und der Bürger zu finden. Diesen jahrzehntelangen Grundkonsens hatten die anderen Parteien aufgekündigt, als der AfD in den Parlamenten erstmals repräsentative Funktionen zugestanden hätten. In allen Landtagen – außer jetzt in Magdeburg – und im Bundestag sind AfD-Abgeordnete weiter von repräsentativen Aufgaben ausgeschlossen. Auch das hat symbolische Bedeutung – wenn auch eine negative: Es steht für die Weigerung der etablierten Parteien, die vom Bürger gewählten AfD-Abgeordneten als legitime Parlamentarier anzuerkennen. Es ist das Symbol einer zutiefst antidemokratischen Haltung, die das Votum von immer mehr Wählern respektlos missachtet. Gestern ist der unsägliche Konsens der Anti-Demokraten das erste Mal deutlich aufgebrochen worden. Der AfD-Politiker Tobias Rausch erhielt nicht nur die Stimmen seiner Fraktion. Er bekam auch die Stimmen der BSW-Fraktion und weitere Stimmen, von denen man nicht weiß, woher sie kamen. Es ist ja eine geheime Wahl. Was bedeutet das? Es gibt inzwischen auch in den etablierten Parteien Abgeordnete, die den unfairen und antidemokratischen Ausschluss der AfD-Abgeordneten nicht mehr mitmachen. Sie haben wieder Respekt vor den Wählern und ihrer Wahlentscheidung. Grundregeln der Demokratie Der Anfang der Amtszeit von Tobias Rausch war durchaus vielversprechend. Er hat – man muss es so sagen – eine eindrucksvolle Rede gehalten. Er betonte: „Ich werde dieses Amt nicht als Präsident einer Fraktion führen, sondern ich werde es als Präsident des gesamten Landtages von Sachsen-Anhalt führen.“ Genau das ist der Anspruch, den die Demokratie an einen Parlamentspräsidenten stellt. Tobias Rausch steht damit in erfreulichem Kontrast zur Rede der Alterspräsidentin Eva von Angern. Sie hat ihr Amt missbraucht, um eine polemische, anmaßend-belehrende und sehr parteipolitisch-einseitige Rede zu halten. Ganz anders der neue Landtagspräsident: „Gerade deshalb müssen wir Regeln schaffen und bewahren, die wir auch dann noch für richtig halten, wenn sie unseren politischen Gegnern nutzen und zugutekommen. Diese parlamentarischen Gepflogenheiten dürfen nicht aus Partei- oder Fraktionskalkül außer Kraft gesetzt werden. Das ist für mich eine entscheidende Maßgabe der parlamentarischen Fairness.“ Diese parlamentarische Fairness fehlt in den deutschen Parlamenten. Gestern war ein guter Tag für die Demokratie, weil die Wahl den Abbruch der unsäglichen Brandmauer beschleunigen wird. Die Brandmauer war – und ist – das Gegenteil von Demokratie. Sie schließt – mit Gewalt möchte man sagen – einen Teil der Bürger vom politischen und gesellschaftlichen Diskurs aus. Das ist demokratiefeindlich. Denn Demokratie beruht auf zwei Grundregeln. Die erste lautet: Jeder redet und streitet mit jedem. Die zweite: Jede Meinung ist legitim und gleichwertig. Selbstverständlich kann man unterschiedlicher Meinung sein. Wie sollte das auch anders sein? Aber Demokraten müssen eines im Hinterkopf haben: Es kann auch sein, dass die Meinung des anderen die fundiertere, die durchdachtere, die bessere ist. [Kleinere redaktionelle Korrekturen. Red.] Zuvor veröffentlicht in Tichys Einblick. Mit freundlicher Genehmigung von Volker Boehme-Neßler übernommen. Prof. Dr. Dr. Volker Boehme-Neßler, Jahrgang 1962, ist seit 2014 Prof. für Öffentliches Recht, Medien- und Telekommunikationsrecht an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Studium von Rechts- und Politikwissenschaft in Berlin und Heidelberg. Dr. iur.utr. 1993 (Heidelberg), Dr. rer.pol. 1997 (Berlin), Habilitation 2008 (Kassel). Von 1993 bis 1998 Rechtsanwalt in Berlin und Wiesbaden; von 1998 bis 2014 Prof. für Europarecht, öffentliches Wirtschaftsrecht und Medienrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) in Berlin. Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-10-05 09:30 Humanismus ist religionsfrei!So geschah es – Der 7. Oktober als islamische OffenbarungWie der Islam am 7. Oktober 2023 sein wahres Gesicht zeigte – und Europa weiterhin vor der Religion kapituliert, die den Judenhass zur Tugend erhebtRoger Letsch
Der 7. Oktober 2023 war kein politischer Konflikt, sondern die konsequente Anwendung islamischer Lehre. Roger Letschs Rezension dokumentiert, wie Hamas-Terroristen ihre religiöse Pflicht erfüllten: Juden zu töten, zu vergewaltigen, zu verstümmeln – alles im Namen Allahs. Die systematische Natur der Gräuel entlarvt die Lüge vom „gemäßigten" Islam. Wer die religiösen Texte kennt, weiß: Es gibt keinen politischen Islam, es gibt nur den Islam – und der verlangt den Untergang des Judentums.Grundstürzende Ereignisse – die guten wie die schrecklichen – haben die Angewohnheit, sich tief ins Gedächtnis einzugraben und unsere ganze räumliche Umgebung gleich mitzunehmen. Jeder, der auch nur ein Fünkchen Sympathie für Israel hat, weiß deshalb, wo er war, als die ersten Nachrichten über die Terroranschläge der Hamas am 7. Oktober 2023 eintrafen. Unterwegs auf der Autobahn zwischen Magdeburg und Berlin sagte ich zu mir selbst „das kann nicht sein!“ Mit der Meldung im Radio konnte einfach etwas nicht stimmen! Die IDF würde doch nie zulassen, … die haben doch sicher … die werden doch … aber die Nachrichten verschlechterten sich von Stunde zu Stunde. Erste Bilder tauchten auf Handys auf. Blut und Bangen, blasse und tränengequälte Gesichter, die sich über Nachrichten von Kindern, Enkeln, Neffen und Nichten in Israel beugten. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so nutzlos gefühlt wie an jenem Abend, an dem wir eigentlich das jährliche Achse-Fest feiern wollten, gemeinsam mit einigen Autoren jenes Buches, das Gegenstand dieses Textes ist. Statt Freude folgte vor drei Jahren eine schlechte Nachricht auf die andere, und ich konnte nicht mal mit ein paar lumpigen Papiertaschentüchern aushelfen, weil ich keine dabei hatte. Die sechzehn Autoren des Buches „So geschah es. 7. Oktober. Vor aller Augen.“, herausgegeben von Simone Schermann und Chaim Noll, legen nicht nur den Finger in noch offene Wunden, sie gehen auf die Suche auch nach den Ursachen unserer Verwunderung und unserer ungläubigen Rufe, dass „so etwas“ doch gar nicht sein könne. Denn wie so oft nach Ereignissen jenseits aller Vorstellungskraft schießen die Verschwörungstheorien ins Kraut. Umso schneller, wenn sie sich an die Mutter aller Verschwörungstheorien ansaugen können, an die Legende „vom Juden“, der bei allem, was passiert, die Fäden zieht, selbst dann, wenn es vor allem Juden sind, die zu Opfern werden. Die Frage nach dem Wie und Warum des Terrors vom 7. Oktober ist jedoch beantwortet, und damit die Gewissheit nicht den Relativismen, Verdächtigungen und spitzfindigen Theorien zum Opfer fällt, muss es Bücher wie dieses geben. „Sie haben uns überrascht, und jetzt zahlen wir den Preis für unsere Selbstzufriedenheit und die inneren Spaltungen. […] Im Gegensatz zur Vergangenheit des jüdischen Volkes wird dieses Massaker seinen Preis haben“, schreibt Jonatan Shay, einer der Autoren, der über seinen Wiedereintritt in die Armee berichtet. Zum ersten Mal nach vierzehn Jahren trägt er wieder Uniform. Wer mag sich vorstellen, welchen Preis er zahlen musste, dessen Einheit mit der Bergung der Opfer der Raketenangriffe der Hisbollah im Norden Israels befasst war? Aus jeder Zeile spricht ein neuer israelischer Realismus gegenüber den Bedrohungen. Eine nüchterne Betrachtung ohne Wunschdenken, zu der man in Europa derzeit gar nicht fähig ist. Überraschung und Spaltung verfliegen nämlich schnell, wenn die Bedrohung, von der man dachte, sie sei berechenbar und auszuhalten, plötzlich die Tür eintritt. Während man im Westen gern vom „Frieden“ spricht, sagt Shay lieber „ruhige Zeiten“, denn das Wort Frieden werde in der Region als Schwäche interpretiert. Und noch etwas Erstaunliches liest man zwischen den Zeilen, nicht nur in Shays Beschreibung, sondern in denen aller Autoren, die im Buch eine israelische Innenansicht wiedergeben: Eine böse Vorahnung oder Furcht ist verschwunden. Die Befürchtung, einem drohenden gleichzeitigen Angriff von Hamas, Hisbollah und dem Iran trotz aller selbstbewussten Erklärungen der Armee vielleicht doch nicht gewachsen zu sein. Der 7. Oktober und die folgenden Militäroperationen, die iranischen Raketen, die Raketen der Hisbollah, die Raketen der Huthi, die Hinterhalte der Hamas bewiesen das Gegenteil. Israel hielt stand, der Vorhang der Ungewissheit ist weggezogen worden, und es war der Iran selbst mit seinen Hamas-Helfern, der ihn weggezogen und für Klarheit gesorgt hat. Nur lief das ganz anders, als in Teheran beabsichtigt. Kein Entkommen, kein Erbarmen, kein Verhandeln oder Erklären Einen Vorhang ganz anderer Art zieht Simone Schermann mit ihrem Beitrag zum Buch weg, den des Verdrängens. Viele der Schilderungen der Gräuel der Hamas in den Kibbuzim, den Armeestützpunkten und dem Nova-Festival-Gelände, zu Protokoll gegeben von Überlebenden und Rettungskräften, sind bekannt. Sie so komprimiert und sachlich hintereinander weg zu lesen, überfordert mich fast. Viele Schilderungen kenne ich vom Hören, gefiltert und aufbereitet von Journalisten oder der Armee. Bilder und Videos der Ermordeten – sofern sie nicht von den Mördern selbst stammten – waren aus Respekt vor Opfern und zur Schonung des Betrachters verpixelt. Worte lassen sich aber nicht verpixeln. Immer wieder ertappe ich mich beim Lesen dabei, ganze Absätze zu überspringen. Ich muss mich zwingen, all das zu lesen und den Horror im Kopf zu Bildern werden zu lassen. Die Namen, die Grausamkeiten, die irrsinnige Freude der Täter. Es sind Schilderungen, die man dem Leser nicht ersparen kann. Schermann schildert sehr plastisch, wie sich die Terroristen an den möglichen Fluchtrouten positioniert hatten, um so systematisch Jagd auf die vom Nova-Festival fliehenden Menschen machen zu können. Sie schildert die überall nach gleichen Mustern und systematisch ablaufenden bestialischen Vergewaltigungen und Verstümmelungen, die offensichtlich als Kriegswaffe angewendet wurden. Hier, wie im Delirium des Hasses, fand er tatsächlich statt, der Auftakt zum Genozid, den die Hamas-Versteher heute in der Antwort Israels sehen wollen, als die Armee zur Befreiung der verschleppten Geiseln in den Gaza-Streifen einrückte. Unterschiedslos alle Bewohner der Kibbuzim, alle Besucher des Nova-Festivals und alle Besatzungen der überrannten israelischen Wachposten waren Ziel des Angriffs. Frauen, Kinder, alte Menschen. Kein Entkommen, kein Erbarmen, kein Verhandeln oder Erklären. Keine Menschlichkeit weit und breit. Doch all der Bilder und Berichte zum Hohn dauerte es keine 24 Stunden, bis sich auf europäischen und amerikanischen Straßen und Plätzen und in Universitäten die ersten „das kann doch nicht wahr sein“ in „es ist nie geschehen“ gewandelt hatten. Wer jemanden kennt, dem in dieser Weise der Kopf verdreht wurde, der schenke demjenigen dieses Buch. Die von Schermann beschriebene Systematik des Terroranschlags macht deutlich, dass wenn die Munition der Hamas am 7. Oktober gereicht hätte, wenn ihre Kräfte nach all der Mordbrennerei nicht erlahmt wären, wenn nicht zahlreiche Israelis auf eigene Faust und schlecht bewaffnet sich ihnen freiwillig in den Weg gestellt hätten und wenn die israelische Armee nicht nach endlos langen Stunden die Initiative zurückerlangt hätte … die Hamas hätte es an diesem Tag nicht nur bei dem Versuch belassen, einen weiteren Genozid an den Juden zu vollenden. Hätte es dann wohl Worte der Rührung und des Bedauerns gegeben an den Universitäten des Westens, statt sich nach dem Terroranschlag schnell auf die Seite der Mörder zu schlagen, denen Israel zur Belohnung für tausendfachen Mord einen Staat geben solle – am liebsten auch noch den eigenen dazu? „In der ‚guten‘ Gesellschaft ist es wieder möglich geworden, sich als Antisemit zu outen.“ „Mit der Hinnahme des Hamas-Terrors erfolgt der Abstieg des Westens in die Barbarei, die Abkehr von Humantität und allen höheren Werten.“ Ich teile die Diagnose im Buch, frage mich allerdings, ob von dieser Humanität außer in Sonntagsreden noch viel übrig war, schon bevor die Mordbanden der Hamas Teile Israels überrannten. Unsere „Humanität“ ließ uns 1972 die Olympischen Spiele nach dem Anschlag auf das israelische Olympiateam einfach fortsetzen, und auch wenn mal ausnahmsweise keine Juden betroffen sind, setzten unsere „Humanisten“ seltsame Prioritäten: Auch die Journalisten, die 1988 beim „Gladbecker Geiseldrama“ in der Kölner Fußgängerzone das Fluchtauto der Geiselnehmer umtanzten, interessierten sich mehr für die Ziele der Verbrecher als für das Befinden der vor Angst zitternden Geisel Silke Bischoff. Im Westen wird Humanität gern mit Äquidistanz verwechselt und unsere Unterstützung erhält, wer am glaubhaftesten seine Waffen auf uns richten könnte. Das Buch spricht aber nicht nur über Opfer und Täter, Eldad Beck steuert eine umfangreiche Dokumentation über die Lage jüdischer Gemeinden in Europa bei, die so ausführlich wie deprimierend ist: „In der ‚guten‘ Gesellschaft, bei den ‚Eliten‘, unter den politisch Korrekten ist es wieder möglich geworden, sich als Antisemit zu outen – wenn man das Wort ‚Jude‘ durch ‚Zionist‘ oder ‚Israeli‘ ersetzt.“ Eskalation und Feigheit ziehen sich leider wie ein roter Faden durch die Stationen in Becks Interviews. Da gibt es nach dem 7. Oktober plötzlich „Komplikationen“ bei der Einrichtung eines Holocaust-Museums in Bosnien-Herzegowina, wo man mit dem Museumsbau warten will, „bis sich die Lage beruhigt“ habe. In Belgien will ein Gericht keine Straftat erkennen, wenn ein Schriftsteller schreibt, „jedem Juden, dem er begegnet, ein scharfes Messer in die Kehle rammen“ zu wollen, während über 80 Prozent der antisemitischen Vorfälle dort nicht einmal der Polizei gemeldet werden. Die Betroffenen wissen, dass eine Anzeige sinnlos ist. Wiederholt begegnet man in Becks Berichten dem Phänomen, dass ihre Lage von jüdischen Gemeinden zwar als schlimm beschrieben wird, aber irgendwie sei sie noch nicht sehr schlimm. Was für feine Abstufungen! Es ist die Fähigkeit (oder der Fluch) der Diaspora, sich wachsendem Druck durch Verhaltensänderungen irgendwie anzupassen, selbst wenn man weiß oder ahnt, die Lage dadurch langfristig eher zu verschlechtern. „Es war perfekt, ein toter Jude zu sein, aber es ist schlecht, wenn ein Jude zurückschlägt.“ In Israel hat der 7. Oktober solche Tendenzen zur Selbsttäuschung offenbar hinweggefegt. Zu lange hatte man Raketenalarme mit Technologie, Routine, Schutzräumen und dem Langmut des „Es könnte schlimmer kommen“ überspielt. Selbstzufriedenheit nennt es Jonatan Shay im Buch. Ich nenne es die Reste eines übergestülpten eurozentrischen Pazifismus, der sehr generös und bequem ist, wenn man ihn sich leisten kann. Also wenn das Schlimmste, was man als Land von seinen Nachbarn zu befürchten hat, eine Rauferei auf dem Oktoberfest oder ein schiefer Nazivergleich als ultimativer Fluch ist. Während ich mich im Buch durch die O-Töne und Milieu-Studien lese, finde ich eine alte Regel bestätigt: Antisemitismus entzieht sich jedem quantifizierbaren Maßstab und kommt sogar ganz ohne Juden aus. Und ist es mit dem institutionalisierten „Kampf gegen Antisemitismus“, der gern gegen die Dämonen der Vergangenheit geführt wird, nicht ebenso? Unsere Politiker beweinen die Toten und fühlen sich von der Angewohnheit der Lebenden gestört, bei der Interpretation der Geschichte und der Lehren, die daraus zu ziehen sind, ein Wörtchen mitreden zu wollen. Oder um Roland Kahns aus den Niederlanden im Buch zu zitieren: „Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Welt sah, was in den Konzentrationslagern geschah, schämten sich die Niederländer zu sehr, um ihren Antisemitismus zu zeigen. Als die Juden an Macht gewannen, kehrte der alte Antisemitismus zurück. Es war perfekt, ein toter Jude zu sein, aber es ist schlecht, wenn ein Jude zurückschlägt.“ „Was uns erschreckt, ist ihr Hass. […] Und dass sich dieser Hass nicht besänftigen lässt. […] Die gnadenlose Vernichtung des Gegners wird trainiert, von klein auf. Natürlich veranlagte Regungen wie Mitgefühl mit Menschen, ganz gleich, ob sie eigene Leute sind oder Fremde, werden durch eine religiös motivierte Verachtung erst delegitimiert und dann adressiert. Grausamkeit gilt als Bestandteil der Kriegs- und Lebenskunst des muslimischen Mannes“, schreibt Chaim Noll über die palästinensischen Nachbarn, und es folgt eine akribische Darstellung der Strukturen und einer Ideologie, die Monster hervorbringt. Der Optimismus ist zurück in Israel Drei Jahre nach den beispiellosen Terroranschlägen zeichnet „So geschah es. 7. Oktober. Vor aller Augen.“ von Schermann, Noll und sechzehn weiteren Autoren eine sehr ambivalente Einschätzung der Lage. In Europa und den USA ist der Antisemitismus wieder auf dem Vormarsch, und es ist nicht der plumpe Prügelnde von Rechtsaußen, vielmehr kleidet er sich in akademische Sprache, definiert Geschichte um, bildet Solidaritätskomitees und führt ständig das Menschenrecht im Munde. Doch der 7. Oktober hat auch Israel und den Nahen Osten verändert. Aus Jerusalem schaut man nicht mehr nach Europa, um zu erfühlen, ob man dort Bauchschmerzen mit der Art und Weise hat, wie man die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet. Unterstützung ist von dort nicht zu erwarten und auch die der USA ist nicht mehr so bedingungslos wie früher. Angesichts der Bedrohung durch den Iran für die ganze Region tun sich jedoch plötzlich Wege der Kooperation mit den Nachbarn auf, die vor wenigen Jahren noch völlig utopisch klangen. Der Optimismus ist zurück in Israel und er richtet sich auf das Land selbst und seine Stellung in der Region. Die Aussichten für Europa mögen im Moment trüb erscheinen, die für Israel sind es nicht. Dem Horror folgte nicht die Verzweiflung, sondern der Realismus. Oder um mit den Worten von Artur Abramovych zu enden: „Solange Israel konsequent gegen seine Feinde vorgeht, wird es die einstige Gunst der vom Selbsthass befallenen Linken nicht zurückerobern können. Einen Verzicht auf militärische Erfolge ist diese fragwürdige Gunst schlechterdings nicht wert.“ Mögen wir alle ruhigere Zeiten erleben als die im Buch beschriebenen! Unbedingte Leseempfehlung! [Kleinere redaktionelle Korrekturen. Red.] Zuvor veröffentlicht in Unbesorgt.de, mit freundlicher Genehmigung von Roger Letsch übernommen. Roger Letsch, Baujahr 1967, aufgewachsen in Sachsen-Anhalt, als dieses noch in der DDR lag und nicht so hieß. Lebt in der Nähe von und arbeitet in Hannover als Webdesigner, Fotograf und Texter. Sortiert seine Gedanken in der Öffentlichkeit auf seinem Blog unbesorgt.de. Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-09-30 12:00 Humanismus im AbgrundDer vulgäre BundespräsidentWarum Frank-Walter Steinmeier mit seiner Warnung vor „Vulgärdemokraten“ die Demokratie schwächt – und selbst zum Demagogen wirdYuna Mons
In seiner Rede zum 75. Geburtstag des Bundesverfassungsgerichts sprach er das Wort aus, das seither durch die Republik hallt: „Vulgärdemokraten“. Damit stempelte Frank-Walter Steinmeier, der erste Mann im Staat, Millionen Wähler ab, die demokratische Mehrheiten ernst nehmen. Doch wer hier wirklich „vulgär“ agiert, ist der Bundespräsident selbst. Ein Kommentar über den gefährlichen Abstieg von der Integrationsfigur zum institutionellen Demagogen.Als Theodor Heuss das Amt des Bundespräsidenten begründete, sprach er von der „Kunst, das Volk zu ehren“. Frank-Walter Steinmeier hat diese Kunst verlernt. Statt dessen bedient er sich einer Rhetorik, die das Volk in zwei Klassen teilt: jene, die seine Sicht der Demokratie teilen – und die „Vulgärdemokraten“, die angeblich den Volkswillen missbrauchen. Dieser Begriff ist keine politische Analyse. Er ist ein soziales Stigma, das sich als Staatsdoktrin tarnt. Wer Mehrheitsentscheidungen für bindend hält, gilt als roh, als ungebildet, als minderwertig. Steinmeier spricht nicht über politische Gegner, er spricht über Untermenschen des demokratischen Diskurses. Die Ironie ist bitter: Der Bundespräsident, dessen Aufgabe die Integration aller Bürger ist, schafft mit einem Wortschlag eine neue Kategorie des Ausschlusses. Er, der über dem Parteienstreit stehen sollte, agiert als Parteisoldat einer elitären Demokratieauffassung, die das Volk für zu dumm hält zur Selbstbestimmung. Demagogie im Präsidentenamt Ein Demagoge zeichnet sich durch drei Techniken aus: Emotionalisierung, Vereinfachung und Feindbildprojektion. Steinmeier bedient sich aller drei. Er emotionalisiert, indem er „Feinde der Demokratie“ konstruiert. Er vereinfacht, indem er komplexe politische Konflikte als Kampf zwischen „echten“ und „falschen“ Demokraten darstellt. Und er projiziert ein Feindbild: den „angeblichen Volkswillen“, der angeblich die freiheitliche Ordnung bedroht. Doch hier liegt der entscheidende Unterschied zum klassischen Demagogen: Steinmeier agiert nicht gegen die Elite, sondern für die Elite gegen das Volk. Er ist ein „Institutioneller Demagoge“, der die Sprache des Populismus nutzt, um das Establishment zu verteidigen. Das macht ihn gefährlicher als einen simplen Aufrührer, denn er trägt das Gewand der Staatsräson. Die humanistische Katastrophe Humanismus gründet auf der Überzeugung von der Würde jedes einzelnen Menschen und seiner Fähigkeit zur Vernunft. Steinmeiers Rhetorik zerstört diese Grundlage. Er entwertet den Souverän, den Bürger, den Wähler. Er behauptet implizit: Ich weiß besser als das Volk, was das Volk will. Das ist nicht mehr Aufklärung, das ist Bevormundung. Nicht mehr Demokratie, das ist Aristokratie mit demokratischer Maske. Steinmeier hat mit seinem „Vulgärdemokrat“-Vorwurf gezeigt, was er wirklich denkt: Er fürchtet das Volk mehr als er es ehrt. Und das ist das eigentlich Vulgäre an dieser Debatte. [Kleinere redaktionelle Korrekturen. Red.] Yuna Mons ist freie Publizistin und beobachtet die deutsche Politik aus humanistischer Perspektive. Sie schreibt hier unter einem Pseudonym. Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-09-26 19:00 Antihumanisten unter sichCaritas ehrt die Architektin der MigrationskatastropheEin Preis für „herausragende Verdienste“ um Solidarität und Miteinander wird missbraucht – Laudatio von Sarah Bosetti inklusiveDavid Berger
Die Caritas zeichnet Angela Merkel für „Menschlichkeit“ und „Miteinander“ aus und lässt die Laudatio von Sarah Bosetti halten, deren Blinddarm-Metapher zu den hässlichen Begleiterscheinungen der Corona-Zeit gehörte und die sich entschlossen zeigte, Merkel ins Bundeskanzleramt zurückzuholen. Zugleich gehört die Caritas zu den großen Akteuren der staatlich finanzierten Migrationsberatung und trat während der Pandemie für eine allgemeine bußgeldbewehrte Impfpflicht ein.Der Caritasverband für die Diözese Augsburg verleiht Angela Merkel seinen nach der heiligen Elisabeth von Thüringen benannten Preis und würdigt ihre „herausragenden Verdienste“ um „Solidarität, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander“. Die frühere Bundeskanzlerin nahm die Auszeichnung am 25. September im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses entgegen. Bischof Bertram Meier und Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa waren dabei. Ausgezeichnet werde, so die Caritas, Merkels „Haltung“. Die Laudatio hielt Sarah Bosetti. Merkel steht allerdings nicht nur für eine persönliche „Haltung“, sondern für politische Entscheidungen, deren fatale Folgen Deutschland bis heute beschäftigen. Das gilt insbesondere für die Migrationspolitik seit 2015, die für Deutschland zunehmend zu einer humanen Katastrophe wird. Wenn ein katholischer Wohlfahrtsverband diese höchst umstrittene Politik nachträglich in die höheren Sphären von Menschlichkeit, Solidarität und christlicher Haltung erhebt, zeit das, wie tief er gesunken ist. Ausgerechnet Sarah Bosetti Besonders eigenartig ist die Wahl der Laudatorin. Die Caritas erklärt selbst, die heilige Elisabeth habe Menschen ihre Wertschätzung „ohne Vorbehalt und Einschränkung“ entgegengebracht. Sarah Bosetti fiel während der Corona-Zeit hingegen nicht gerade durch besondere Sensibilität gegenüber denjenigen auf, die sich der vorherrschenden Politik widersetzten. Berühmt-berüchtigt wurde ihre Blinddarm-Metapher, mit der sie Ungeimpfte als „ziemlich weit rechts und ziemlich weit unten“ beschimpfte, um sie dann mit einem Blinddarm, der für das Überleben des Gesamtkomplexes nicht essentiell sei, zu vergleichen. Auch die Caritas selbst hat in der Corona-Zeit alles andere als einen zur hl. Elisabeth passenden Ton angeschlagen. Der Deutsche Caritasverband erklärte die Impfung zum „Ausdruck solidarischer Nächstenliebe“, unterstützte die einrichtungsbezogene Impfpflicht und forderte im Dezember 2021, bei Nichterreichen einer Impfquote von 95 Prozent die Durchsetzung einer „allgemeinen bußgeldbewehrten Impfpflicht“ nicht länger aufzuschieben. Noch im März 2022 bezeichnete er die einrichtungsbezogene Impfpflicht ausdrücklich als „nicht ausreichend“. Ein katholischer Wohlfahrtsverband befürwortete damit staatliche Sanktionen gegen Menschen, die sich einer medizinischen Maßnahme nicht unterziehen wollten, und versah diese Position zugleich mit dem moralischen Gütesiegel der Nächstenliebe. Dass nun ausgerechnet Bosetti bei einer Caritas-Veranstaltung über Menschlichkeit und Zusammenhalt sprechen darf, passt natürlich zum dunklen Gesamtbild. Flüchtlingsindustrie als wichtiger Gewinnfaktor Die Migration hat einen großen Komplex aus Beratungsstellen, Projekten, Beschäftigten und enormer staatlicher Finanzierung hervorgebracht, an dem die Wohlfahrtsverbände maßgeblich beteiligt sind. Nach Angaben der Caritas stiegen allein die bundesweit verfügbaren Mittel für die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte von 26,3 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 77,5 Millionen Euro im Jahr 2024. Die Caritas unterhält in diesem Bereich rund 300 Standorte mit ungefähr 500 Mitarbeitern. Als Kürzungen drohten, warnte Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa ausdrücklich davor, dass Stellen nicht mehr finanziert werden könnten. Schon 2018 berichteten wir, dass die Caritas sich immer mehr zum Ticket-Provider für Flüchtlinge zu entwickeln scheint: So finanzierte sie damals einem der gewalttätigsten Allahu-Akbar-Terroristen das Ticket, mit dem er entkommen konnte. Die Caritas ist zudem politischer Interessenvertreter, hetzt in diesem Zusammenhang nicht nur regelmäßig gegen die einzige Partei, die noch halbwegs katholische Werte verteidigt, sondern setzt sich auch dafür ein, die Zuständigkeit des Bundes für die Migrationsberatung stärker gesetzlich zu verankern und perspektivisch einen Anspruch darauf festzuschreiben. Aufschlussreich war Bosettis Satz, Merkel bekomme diesen Preis für das, „wofür sie am meisten gehasst wird“. Damit wird politische Kritik beinahe unmerklich moralisiert. Wer Merkels Migrationspolitik ablehnt, hat sie offenbar nicht aufgrund politischer Argumente kritisiert, sondern „gehasst“. Dabei kann man diese Politik wegen ihrer Auswirkungen auf Kommunen, Wohnungsmarkt, Schulen, Sozialstaat, innere Sicherheit oder Integration ablehnen, ohne deshalb von Hass auf Migranten oder Angela Merkel erfüllt zu sein. Gerade ein katholischer Verband sollte sich davor hüten, politische Präferenzen mit christlicher Nächstenliebe gleichzusetzen und so das Christentum für nieder politische Interessen zu instrumentalisieren. Den einsamen Höhepunkt des Abends aber lieferte Bosetti, als sie wissen ließ: „Wir haben es jetzt eine Weile mit einem Mann als Bundeskanzler versucht – ganz ehrlich: Hat nicht geklappt“, sagte Bosetti – und Merkel als Spitzenkandidatin für die nächste Bundestagswahl vorschlug. Die heilige Elisabeth als Kulisse Caritas bedeutet Liebe zum konkreten Menschen, daher eben so gar nicht nicht Zustimmung zu Merkels Migrationspolitik, nicht Unterstützung einer staatlichen Impfpflicht und schon gar nicht die Einteilung der Gesellschaft in wertvolle und vermeintlich entbehrliche Teile. Die heilige Elisabeth brauchte weder eine staatlich festgelegte Impfquote noch die richtige politische Gesinnung, bevor sie einem Menschen half. Wer einen Preis nach ihr benennt, Angela Merkel zur Verkörperung gesellschaftlicher Menschlichkeit erhebt und Sarah Bosetti die Laudatio halten lässt, hat sich daher längst vom Christentum verabschiedet und ist zu einer linken NGO geworden, die für Geldgier, Hetze und Hass statt für echte Nächstenliebe, im lateinischen „caritas“ steht. Zuvor veröffentlicht in PHILOSOPHIA PERRENIS, mit freundlicher Genehmigung von David Berger übernommen. David Berger (Jg. 1968) war nach Promotion (Dr. phil.) und Habilitation (Dr. theol.) viele Jahre Professor im Vatikan. 2010 Outing: Es erscheint das zum Bestseller werdende Buch „Der heilige Schein“. Anschließend zwei Jahre Chefredakteur eines Gay-Magazins, Rauswurf wegen zu offener Islamkritik. Seit 2016 Blogger (philosophia-perennis) und freier Journalist (u. a. für die Die Zeit, Junge Freiheit, The European). Artikel als PDF-File | Kommentare Zum Anfang2026-09-25 23:00 Ideologie statt VernunftEnergiewende als VandalismusReligionswahn und Klimawahn führen Völker in den Untergang – ein Vergleich
Manfred Haferburg
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(2025-04-08) Willkommen beim Verein
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